Dendrit

Metallographie

Form von Kristalliten, die eine stenglige Kornausbildung mit mehreren ausgeprägten Wachstumsachsen aufweisen, ähnlich der Form von Tannenbäumen (Bild  1). Sie entstehen bei der Erstarrung durch gerichtetes Hineinwachsen der festen Phase in die Schmelze. Das aus dieser Erstarrungsfront entstandene Gefüge wird als dendritisches Gefüge bezeichnet (Bild 2).

Dendriten bestehen aus einer Hauptachse (Stamm) und seitlich verzweigten Ausläufern (Arme, Äste). Die Dendritenlänge, die Dendritenarmdicke beziehungsweise der Dendritenarmabstand sind Gegenstand der Gefügecharakterisierung von Gusswerkstoffen.

Die Dendritenlänge kann bei großen Wanddicken mit entsprechend langsamer Erstarrung mehrere Zentimeter betragen. Bei extrem hoher Abkühlgeschwindigkeit nimmt die Dendritenlänge bis in den submikroskopischen Bereich hinein ab. Auch die Dendritenverzweigung verringert sich mit zunehmender Unterkühlung (Bild 3).

Metallografisch kann das dendritische Gefüge an Schliffproben mit speziellen Ätzmitteln sichtbar gemacht werden. Die Kontrastierung beruht dabei auf erstarrungsbedingten Konzentrationsunterschieden zwischen dendritischen Kristalliten und den interkristallinen Zwischenräumen.

Bild 1: Eisendendriten aus dem Lunker eines Stahlformgussstückes© GIESSEREI LEXIKON