Eingusssystem

Herstellung Formen und Kerne
Alle Elemente des Eingusssystems haben die Aufgabe, das Gießmetall qualitätsgerecht bis in den Formhohlraum zu transportieren.

Das Eingusssystem setzt sich je nach Gießverfahren aus folgenden Teilen zusammen:

Eingusstümpel oder Eingusstrichter,


Eingusskanal,


Lauf oder Schlackelauf und dem


Anschnitt oder mehreren Anschnitten.

(Bild 1) zeigt die Anordnung der Teile eines konventionellen Eingusssystems für Sandformguss.

Eine rasche und turbulenzfreie Formfüllung die in Folge zu einem qualitätsgerechtem Gussteil führt, erfordert eine optimale Auslegung des Eingusssystems bei zunehmend geometrisch anspruchsvollen Teilen.

In die Berechnung der einzelnen Teile des Eingusssystems werden folgende Parameter einbezogen:

das Gesamtgießgewicht, die Gießzeit, die Dichte des Gießwerkstoffes, die Gießhöhe der Metallsäule und der Strömungsverlustfaktor.

Der Strömungsverlustfaktor ist ein betrieblicher Erfahrungswert, der sich auf das angewandte Gießverfahren bezieht und sich an den Richtungsänderungen im Eingusssystem, den Oberflächeneigenschaften der Form (Metallische Form oder Formstoffart) und den Eigenschaften des Gießwerkstoffes bemisst.

Im Kokillenguss richtet sich die Gestaltung des Eingusssystems nach der raschen Abkühlung der Schmelze in der metallischen Form und nach dem schlechteren Formfüllungsvermögens von Schwermetalllegierungen. Das Gießen soll dabei möglichst turbulenzarm erfolgen, um qualitätsgerechten, oft auch druckdicht angeforderten Guss zu erhalten.

Bild 2 zeigt einige typische Eingusssysteme für Leichtmetallkokillenguss. Die Ausführungen a, b und c dienen für eine fallende Gießweise. Das Beispiel d zeigt einen in einen Steigkanal-Schlitzanschnitt übergehenden Einguss mit einer in gleicher Weise ausgeführten Speiseranordnung an der gegenüberliegenden Gussstückseite. In Bild e ist ein Horneinguss dargestellt, der in einen Steigkanal-Schlitzanschnitt mündet. Einen Syphoneinguss zeigt Bild f.

Werden bei Kokillen für Leichtmetallguss auch Läufe vorgesehen, geht der Einguss unmittelbar in diese über (Bild 3). Bei Messing-Kokillenguss mündet der Einguss entweder direkt in den Gussstückanschnitt (Bild 4) oder er ist als Mittelanschnitt (Schlitz- oder Keileinguss) auf das Gussstück aufgesetzt, sofern die Kokille beim Gießen senkrecht zur Teilungsebene gekippt wird, (Kippgießverfahren).

Beim Druckguss gehören zum Eingusssystem die Eingießbuchse und der Eingussverteiler, welcher die Aufgabe hat, das Zerstäuben oder Verwirbeln des Metalls zu vermeiden. Die Führung der Läufe ist von der Anschnittgestaltung abhängig. Bei entsprechend großen Gussteilen sind Mehrfachanschnitte vorgesehen. Konstruiert werden fächerförmige, T- oder deltaförmige Läufe mit kammförmig angelegten Anschnitten.

Die Berechnung und Gestaltung von Gießsystemen, also dem Eingusssystem mit Speisersystem, kann durch geeignete Simulationsprogramme prozesstechnisch optimiert werden. Das Ergebnis enthält die rechnerische und grafische Darstellung über den Ablauf der Formfüllung und der Erstarrung.
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Bild 2: Eingussanordnung für Leichtmetallkokillenguss© GIESSEREI LEXIKON
Bild 3: Kokille mit zwei Eingüssen und zwei getrennten Laufsystemen© GIESSEREI LEXIKON
Bild 4: Eingussanordnung für ein Messing-Kokillengussstück© GIESSEREI LEXIKON

Taschenbuch der Gießerei-Praxis

Jährlich aktualisierte Ausgabe des Nachschlagewerks für das Gießereiwesen.