Kryogenes Entgraten

Cleaning
Verfahren zum Entgraten von Gussteilen, bei dem mit flüssigem Stickstoff die zu bearbeitenden Teile unterkühlt und besonders dünne Gratüberstände versprödet werden.

Zur Kühlung der Formteile wird der flüssige Stickstoff aus dem Tank in die Entgratungsanlage geleitet und dort verdampft. Die mit der Verdampfung verbundene Volumenzunahme des Stickstoffs sorgt für eine gleichmäßige Verteilung der Kälte innerhalb der Strahlanlage.

Es wird eine Entgratungstemperatur von minus 40 bis minus 60 °C eingestellt (Bilder 1 und 2).

Das Formteil selbst wird hierbei lediglich oberflächlich bis in die Gratwurzel abgekühlt, während der Kern des Formteils bei geringeren Kälteeinflüssen seine Elastizität behält. Der kältebedingte Versprödungszustand führt dazu, dass die dünnen Gratüberstände mit einem beschleunigten Strahlmedium wahlweise auf gezielte oder ungezielte Art beaufschlagt und abgetrennt werden können (Bild  3).

Bei dem eingesetzten Strahlmittel handelt es sich um Polycarbonat, welches je nach Verwendung und Anforderung in unterschiedlichen Geometrien und Korngrößen von 0,15–2,0 mm eingesetzt werden kann und fortlaufend während des Strahlprozesses ebenfalls dem Kälteeinfluss unterliegt, wodurch es die notwendige Abriebfestigkeit und Kerbschlaghärte erhält. Das Verfahren wird für das Entgraten von Zink-, Aluminium- und Messingdruckgussteilen eingesetzt. Die kryogene Entgratung ist besonders für komplexe, filigrane Geometrien, auch mit Hinterschneidungen, geeignet.

Bild 1: Schematische Darstellung des Entgratens von Druckguss-Produkten© GIESSEREI-PRAXIS (2016) 1–2
Bild 2: MEWO JET ROTOR 2 mit fest integrierter Behandlungstrommel für Schüttgüter© GIESSEREI-PRAXIS (2016) 1–2
Bild 3: Entgraten mit Stickstoff: Bei diesen Bauteilen ist der Unterschied zwischen vorher und nachher deutlich zu sehen.© GIESSEREI PRAXIS (2016) 1–2