Magnetpulverprüfung

Material and Casting Testing
Zerstörungsfreie Werkstoffprüfung von Guss- oder Werkstücken aus ferromagnetischen Werkstoffen nach DIN EN ISO 99341 und DIN EN 1369. In den zu prüfenden Teilen werden mithilfe von Magnetisierungseinrichtungen gleichmäßige Magnetfelder aufgebaut. Zur Magnetpulverprüfung wird der Effekt ausgenutzt, dass an der Grenzfläche zwischen Medien mit unterschiedlicher Permeabilität magnetische Feldlinien gebrochen werden. An Fehlstellen, die in oder wenig unter der Oberfläche liegen, wie Risse, Poren, Schlackeneinschlüsse, entstehen im Magnetfeld starke Streufelder, die man durch Auftragen von feinem Eisenpulver oder Bespülen mit Eisenpartikel enthaltenden Prüfflüssigkeiten nachweist (Bild). Im Bereich der Fehlstelle bildet sich eine charakteristische Pulverraupe, die dem Prüfer deutlich den Verlauf des Fehlers anzeigt.

Zur Magnetisierung der Prüfstücke können magnetische Gleich- und Wechselfelder benutzt werden. Bei letzteren ist die Prüfempfindlichkeit höher, da es infolge des Skin-Effekts zur Feldverdrängung an der Oberfläche des Prüfstücks kommt. Dies tritt umso stärker auf, je höher die Frequenz des Wechselfelds ist. Die Magnetfelder können mit Magnetjochen, Spulen oder elektrischen Strömen (Stromdurchflutung) in Selbst- oder Hilfsdurchflutung erzeugt werden. Die Art der Magnetisierung richtet sich nach der Orientierung der nachzuweisenden Fehler. Diese sollten möglichst senkrecht vom Magnetfeld durchdrungen werden, weil dann der Streufluss am stärksten und somit die Nachweisempfindlichkeit am größten ist. Ist keine Vorzugsrichtung der Fehler zu erwarten, so sind Magnetfelder mit zwei, 90° zueinander gedrehten, Richtungen anzuwenden. Dies kann beispielsweise bei Verwendung von Jochen durch Drehen des Prüfstückes (kleines Prüfstück) oder durch Drehen des Joches (großes Prüfstück, kleines Handjoch) oder durch gleichzeitige Anwendung von Stromdurchflutung und Spulenmagnetisierung erreicht werden.

Die Prüfung wird folgendermaßen durchgeführt: Das von lose anhaftendem Schmutz gereinigte und erforderlichenfalls mit Kontrastfarbe versehene Prüfstück wird mit geeigneten Mitteln magnetisiert und üblicherweise meist gleichzeitig mit Prüfmittel bespült oder besprüht. Das Magnetfeld kann abgeschaltet werden, wenn die Trägerflüssigkeit des Prüfmittels abgelaufen ist. Danach bilden die magnetischen Partikel des Prüfmittels einen Saum beiderseits einer vorhandenen Fehlstelle. Eine vorgefundene Anzeige kann entweder durch Fotographieren oder Abziehen auf Klebefolie dokumentiert werden. Häufig werden auch fluoreszierende Prüfmittel, die die beste Risserkennbarkeit bieten, angewandt; die Fehlerauswertung und -beurteilung müssen jedoch unter UV-Licht im abgedunkelten Raum erfolgen.

Zur Prüfung gibt es Universalgeräte und spezielle Anlagen mit vielseitigen Einsatzmöglichkeiten.

Nach der elektromagnetischen Prüfung müssen die Werk- oder Gussstücke wieder entmagnetisiert werden. Hierfür gibt es verschiedenartige Einrichtungen, je nach Prüfbedarf, die aber auf dem gleichen Prinzip beruhen: Das zu entmagnetisierende Teil wird durch eine Entmagnetisierungsspule (Tunnelspule) hindurchgeführt. Verwendet werden Tunnelspulen verschiedener Größe in Anpassung an die Abmessungen der zu entmagnetisierenden Teile.
Magnetisches Streufeld in der Umgebung 
a) eines Oberflächenfehlers 
b) eines oberflächennahen Fehlers© Taschenbuch der GIESSEREI PRAXIS

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