88.000 weniger Stellen durch Elektromobilität

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Allein im Bereich der Produktion von Antriebssträngen soll der Bedarf an Beschäftigten um 88.000 Stellen bis 2030 zurückgehen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Arbeitsgruppe der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität (NPM).

Eine Arbeitsgruppe der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität (NPM) hat untersucht, wie sich die Umstellung auf Elektromobilität auf die Beschäftigungsstrukturen auswirkt. Der Bedarf an Angestellten in den Bereichen der Produktion und Teilen der Entwicklung wird deutlich abnehmen, so eines der Ergebnisse der Untersuchung. 

Für die Produktion von Antriebssträngen wird der Personalbedarf unter Berücksichtigung von Produktionssteigerungen um 39 Prozent im Vergleich zum Jahr 2017 sinken. Bis zu 88.000 weniger Arbeitsplätze allein im Bereich der Produktion von Antriebssträngen werden bis 2030 benötigt.

Basis des Berichts sind die Studie ELAB 2.0 des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) und der IAB Forschungsbericht 08/2018, die um zwei Szenarien für das Jahr 2030 ergänzt wurden. Eines der überarbeiteten Szenarien berücksichtigt, dass die deutschen Automobilhersteller 2030 deutlich mehr rein elektrische (30 %) und Plug-in-Hybride (15 %) herstellen, als bisher angenommen. Hintergrund der Verschiebung sind die Anforderungen an die CO2-Flottengrenzwerte der EU. Das zweite Szenario auf Grundlage des IAB-Berichts nimmt einen Bestand von zehn Millionen Elektrofahrzeugen im Jahr 2030 an.

Ein Grund für den Rückgang der Beschäftigung sei die zunehmende Automatisierung, so der Bericht. Ein Schlüssel, dieser Situation zu begegnen, sei Qualifizierung, so die NPM-Arbeitsgruppe. Dazu schlägt sie Kompetenz-Hubs in den Regionen vor, in denen die Agentur für Arbeit, regionale Weiterbildungsträger und Betriebe, die einen Bedarf an Weiterbildung haben, zusammenarbeiten. Auch die Regelung zur Kurzarbeit sollte für eine Qualifizierung genutzt werden können, schlägt die NPM vor.

„Bereits heute zeichnet sich ab, dass sich nicht allein die Zahl der Arbeitsplätze im Mobilitätssektor verändern wird, sondern vor allem die Qualität der Arbeit. Die Ankündigungen der Automobilhersteller und -zulieferer in den vergangenen Wochen zeigen, dass sich die Branche mitten im Umbruch befindet. Der Markthochlauf der Elektromobilität bis 2030 aufgrund der europäischen und auch nationalen Klimaschutzregelungen und weitere Effizienzsteigerungen durch eine zunehmende Automatisierung in der Produktion wirken sich immer stärker auf die Beschäftigungsstrukturen aus. Wenn wir die industrielle Wertschöpfung und Arbeitsplätze in der hiesigen Automobilwirtschaft erhalten wollen, brauchen wir die volle Wertschöpfungskette der Automobilindustrie in Zukunft hier,“ erläutert Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall und Leiter der Arbeitsgruppe 4 der NPM.

Die Nationale Plattform Zukunft der Mobilität bringt Experten aus Politik, privatem Sektor, Verbänden, Forschungseinrichtungen und NGOs zusammen, um Konzepte für eine nachhaltige, umwelt- und klima-gerechte, bezahlbare und wettbewerbsfähige Mobilität in Deutschland zu entwickeln. Unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Henning Kagermann erarbeiten sechs Arbeitsgruppen technologieneutral verkehrsträger-übergreifende Handlungsempfehlungen an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.