Die Glocke aus ingenieursmäßiger Sicht

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GP 04/2012
Kirchenglocken werden beim Läuten aufgrund der Wirkung unterschiedlicher Schädigungsmechanismen hoch beansprucht. Einerseits tritt aufgrund des Klöppelanschlags im Bereich der Anschlagstellen an der Glocke Schlagverschleiß auf, der zur Schwächung des Schlagrings führt, andererseits bewirkt der Klöppel beim Läuten der Glocke abhängig von den dynamischen Eigenschaften des Systems aus Glocke, Joch, Klöppel und Läutemaschine lokal hohe Verformungen, die zu Ermüdungsschäden führen können. Diese Gefahr von Ermüdungsschäden kann durch eine optimierte Abstimmung des dynamischen Systems vermieden oder eingedämmt werden. Das Drehen von Glocken um etwa 20°–30° kann zu einer Verlängerung der Lebensdauer von Glocken führen, da die Beanspruchungen über den Umfang nicht homogen sind. Fortschreitende Schäden an Glocken führen zu hörbaren Veränderungen des Klangs, die sich auch mithilfe geeigneter Analysen an Tonaufnahmen identifizieren lassen. Derzeit wird dieses Verfahren so weitreichend verfeinert, dass bereits solche Schäden erkannt werden, die selbst durch das geschulte Gehör noch nicht bemerkt werden. Kirchenglocken sind Musikinstrumente und Kulturgüter, die in Europa schon seit über 1000 Jahren im Einsatz sind. Die ältesten erhaltenen und noch läutbaren Glocken stammen
aus dieser Zeit.
Der größte Teil der vorhandenen Glocken besteht aus gegossener Zinnbronze, wobei die Legierungszusammensetzung von etwa 20–22 % Zinn, der Rest Kupfer, sich seit dem Mittelalter kaum mehr geändert hat.
In Europa gibt es eine Vielzahl von Läutetraditionen, die sich im wesentlichen darin unterscheiden, wie hoch die Glocken geläutet werden, wie der Klöppel in der Glocke befestigt ist und auf welche Weise der Klöppel die Glocke anschlägt. Allen gemeinsam ist jedoch, dass die Glocken überwiegend schwingend in einem Glockenstuhl aufgehängt sind, wobei der in ihr frei schwingend gelagerte Klöppel die Glocke durch Anschlagen zum Klingen anregt...
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