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„Die Qualität ist teilweise sogar besser als bei Gussteilen“

GIESSEREI PRAXIS 10/2020
Fertigungsverfahren

Die Edelstahlwerke Schmees bieten ihren Kunden auch Additive Fertigung an: Im Interview berichtet der Geschäftsführende Gesellschafter Clemens Schmees von den Erfahrungen des Unternehmens mit der Technologie.

Wann und warum haben Sie sich dazu entschieden, Additive Fertigung einzusetzen? Welche Verfahren bieten Sie an?
Clemens Schmees: Durch unsere Schwesterfirma Innocast am Standort in Langenfeld beschäftigen wir uns schon seit mehr als 14 Jahren mit dem Thema Additive Fertigung. Um die Bandbreite der heute existierenden additiven Technologien abzubilden, arbeiten wir mit Kooperationspartnern zusammen, um zum Beispiel Modelle für das Feingussverfahren drucken zu lassen oder im Binderjetting-Verfahren Sandformen herzustellen. Darüber hinaus können wir auch Bauteile direkt in additiven Technologien drucken lassen.

Für welche Aufgaben eignet sich die Technik?
Die modernen additiven Verfahren eignen sich hauptsächlich dafür, Bauteile zu fertigen, die konventionell nicht hergestellt werden können. Zum Beispiel kann man mit Additiver Fertigung Bauteile so konstruieren, dass eine Funktionsintegration stattfinden kann. Für die Gießerei-Industrie bringen additive Technologien einen höheren Freiheitsgrad in der Fertigung. Bauteile können endkonturnah konstruiert oder Hinterschnitte dargestellt werden, die in der Modelltechnik schwer oder gar nicht abzubilden sind. Darüber hinaus ist diese Verfahrenstechnik das schnellste Verfahren für Einzelteile oder Prototypen.

Welche Vorteile verschafft das Ihnen?
Freiheit in der Konstruktion oder Geschwindigkeit bei der Produktion von Einzelteilen sind ein großer Vorteil. Wir verstehen uns als Dienstleister, der zu jeder gestellten Anforderung die passende Technologie anbieten kann. Die Additive Fertigung macht uns sehr schnell und flexibel.

Wie schätzen Sie die Qualität der gedruckten Bauteile im Vergleich zu Gussteilen ein?
Beim Direktdruck von Bauteilen schätzen wir die Qualität der Bauteile ähnlich wie Gussteile oder teilweise sogar ein bisschen besser ein. Bei der Herstellung von Bauteilen aus gedruckten Modellen oder Formen ist die Qualität in Bezug auf das konventionelle Formverfahren oder die Modellherstellung höher. Darüber hinaus kann man in engeren Toleranzen fertigen.

Haben Sie selbst Drucker angeschafft oder arbeiten Sie mit Partnern zusammen?
Über die Firma Innocast haben wir direkten Zugriff auf das Lasersinterverfahren zur Herstellung von Modellen oder auf das Binderjettingverfahren zur Herstellung von Formen und Kernen. Bei anderen Anforderungen arbeiten wir in erster Linie mit zuverlässigen Partnern zusammen, die viele weitere Verfahren anbieten.

Welche Erfahrung haben Sie gemacht, seit Sie das Verfahren einsetzen?
Unsere Erfahrungen sind überwiegend positiv. Mit den alternativen Herstellungsverfahren im Modell- und Formenbau können wir in einer enormen Geschwindigkeit Bauteilgeometrien abbilden, die in der konventionellen Modelltechnik undenkbar wären.

Wie reagieren die Kunden? Haben sich für Sie neue Märkte erschlossen?
Kunden, die sich mit dem Thema beschäftigen, sind sehr aufgeschlossen. Trotzdem muss man viele über die Verfahren und Einsatzmöglichkeiten informieren. Es ist noch lange nicht so, dass jeder Kunde verstanden hat, welches Potenzial diese Technologie auch in der Gießereibranche hat.

Glauben Sie, dass Additive Fertigung den Guss eines Tages ersetzen könnte?
Grundsätzlich glauben wir nicht, dass die additive Fertigung im Direktdruckverfahren eines Tages den konventionellen Guss komplett ersetzen kann. Der Einsatz von Metalldirektdruck sollte für ein Bauteil alternativlos sein, d. h. es sollte in einer anderen Verfahrenstechnik nicht herstellbar sein. Ansonsten macht der Einsatz dieses Verfahrens für ein Bauteil wenig Sinn.
Gut vorstellbar ist aber die Ausweitung der Nutzung im Bereich der Modellherstellung für das Feingussverfahren oder des direkten Formprintens, gerade wenn es um Einzelstücke oder Kleinserien geht; oder auch bei der Entwicklung von alternativen Gussgeometrien bei der Prototypenentwicklung. Hier gibt es Anwendungsfälle, bei denen die Abbildung der komplexen Geometrien ohne die Additive Fertigung unmöglich gewesen wäre.

Die Additive Fertigung bietet auch auf dem Gebiet der Materialien neue Möglichkeiten im Vergleich zum Guss. Haben Sie damit Erfahrungen gemacht?
Wir verfolgen die Entwicklung auf diesem Sektor sehr genau, da der Fortschritt an dieser Stelle große Sprünge macht. Über unsere Kooperationspartner bleiben wir stets auf dem neuesten Stand, um rechtzeitig neue Trends zu erkennen und darauf reagieren zu können.

Haben Sie neue Mitarbeiter für die Additive Fertigung eingestellt oder Mitarbeiter entsprechend geschult?
Ja, selbstverständlich. Wir haben sogar eine gesonderte Abteilung dafür gegründet.