Editorial GP 11/2019

GP 11/2019
Liebe Leserinnen und Leser, es hagelt in diesem Herbst – keine Eiskugeln, sondern Insolvenzen. Die Gusswerke Saarbrücken hatten am 20. September 2019 Insolvenz angemeldet. Am 21. Oktober folgen die Gusswerke Leipzig, die wie das Saarbrückener Werk zur Avir Guss gehören. Und nur einen Tag später erreicht uns die Meldung, dass die Ortrander Eisenhütte ein Insolvenzverfahren beantragt hat.

Das ist wirklich eine Überraschung, denn noch in der ersten Jahreshälfte hatte das Unternehmen in Ortrand nach einer Neuorganisation die Produktivität steigern können. Nach Angaben der Lausitzer Rundschau macht die Ortrander Eisenhütte seit 15 Jahren steigende Umsätze, aktuell lägen sie bei 50 Millionen Euro. Zudem gilt das Unternehmen als Musterschüler der Industrie 4.0. Da sollte man doch meinen, dass sie auf dem richtigen Weg sind. Davon ist Geschäftsführer Bernd H. Williams-Boock noch immer überzeugt. Der Betrieb werde weiterlaufen, es solle nur wenige Kündigungen geben und die derzeit 234 Mitarbeiter erhalten Insolvenzgeld.

Auch die Leipziger sind optimistisch: Die Produktion läuft weiter, Kunden werden beliefert. Hier wurde das Insolvenzverfahren von der Gewerkschaft IG Metall Leipzig, dem Geschäftsführer und dem Betriebsrat beantragt. Dadurch werde die Autonomie des Werkes gestärkt, sagt Bernd Kuppa, erster Bevollmächtigter der Gewerkschaft IG Metall Leipzig. Mit der Insolvenz solle die Finanzierung neu geordnet werden, heißt es. Damit sollte wohl auch eine Zuständigkeit des Insolvenzverwalters der Gusswerke Saarbrücken verhindert werden.

Für die Branche und vor allem für die 1.000 Mitarbeiter in Saarbrücken, die 234 in Ortrand und knapp 550 in Leipzig können wir nur hoffen, dass diese Täler souverän durchschritten werden. Es bleibt aber die Gewissheit, dass es wichtiger denn je ist, für die Zukunft mit beiden Beinen fest auf dem Boden zu stehen. Um festen Boden zu erreichen, kann es notwendig sein, ein paar wohlüberlegte Schritte zu gehen. Dazu könnte zum Beispiel gehören, sich im Bereich Bauteilereinigung auf den neusten Stand zu bringen. Dazu möchten wir mit dem Schwerpunktthema dieser Ausgabe (ab Seite 31) anregen.

Wir wünschen Ihnen Mut, Visionen, Wurzeln und einen robusten Regenschirm, falls das Wetter mal umschlägt.

Ihre
Anne Meyer-Gatermann

Redaktionsleitung GIESSEREI-PRAXIS