Eine Lernfabrik für industrielle Reinigungstechnologien

GP 11/2019
Oberflächen-, Nach- und Wärembehandlung
Oberflächenbehandlung
Putzen
Das Fraunhofer Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung (IVV) in Dresden bietet Unternehmen die Möglichkeit, auszuprobieren, welches Reinigungsverfahren für sie passend ist. Die sogenannte Lernfabrik Industrielle Reinigungstechnologien bietet ab Beginn des Jahres 2020 auch eine Multiroboterzelle an.

Welches Reinigungsverfahren ist für ein bestimmtes Bauteil das beste? Erzielt der ausgewählte Reinigungsprozess das gewünschte Ergebnis? Diese Fragen sind für Anwender von Reinigungstechnik oft schwer zu beantworten. Dies gilt insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Die Forscher des Fraunhofer Institut für Verfahrungstechnik und Verpackung (IVV) Dresden bieten KMU eine Lösung für diese Aufgaben: die Lernfabrik. „Dort kombinieren wir etablierte wässrige Reinigungsverfahren wie zum Beispiel die Spritz-, Tauch- und Ultraschallreinigung sowie die Reinigung geschlossener Rohrleitungs- und Tanksysteme mit neuen Verfahren wie der Reinigung mittels Atmosphärendruckplasma, Trockendampf, CO2-Schneestrahlen und Laserstrahlen“, erklärt Markus Windisch, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer IVV Dresden. „Zusammen mit dem Kunden entwickeln wir passgenaue Lösungen für die jeweilige Aufgabenstellung und können sie direkt in der EFRE-geförderten Lernfabrik testen“, sagt Windisch.

Plattform für Unternehmen

Die Lernfabrik bietet Unternehmen eine Plattform, um in einer geschützten Umgebung verschiedenste Reinigungsverfahren und deren Kombinationen auszuprobieren. Sobald die optimale Lösung für eine Reinigungsaufgabe erarbeitet wurde, können Unternehmen entsprechend dieser Lösung nachrüsten und ihre Mitarbeiter bereits vor einer Inbetriebnahme anwendungsspezifisch schulen. „Wir haben bewusst auf kommerziell verfügbare Geräte und deren Zubehör gesetzt, um gezielt praxisrelevante Lösungen anbieten zu können“, erklärt Windisch.

Lernfabrik mit Digitalisierung

In der Lernfabrik finden auch die Themen Industrie 4.0 und Digitalisierung Berücksichtigung. So wurde beispielsweise eine Systemlösung integriert, welche die Prozessdaten der eingesetzten Reinigungsverfahren erfasst − egal ob sie von den Maschinen selbst stammen oder vom Bediener manuell eingegeben werden. Anstatt, wie in der industriellen Praxis üblich, Haftnotizen an einer Reinigungsanlage anzubringen, auf denen Anweisungen und Hinweise für die Kollegen zu finden sind, können Mitarbeiter ihre Beobachtungen und Kommentare, beispielsweise über einen TabletComputer, direkt in das System eingeben. So können wichtige Informationen mit den Kollegen geteilt werden − auch mit denen, die in anderen Werken arbeiten.

 

Multiroboterzelle für Anfang 2020 geplant

Die oben genannten Reinigungsverfahren sind bereits in Betrieb, und auch erste Kundenanfragen gingen ein. Bis die Reinigung hochkomplexer Bauteile und die Kombination der Reinigungsverfahren vollkommen automatisiert getestet werden kann, wird es nicht mehr lange dauern: Eine für vollautomatisierte Reinigungsprozesse ausgelegte Multiroboterzelle wird Anfang 2020 fertiggestellt werden. Ab diesem Zeitpunkt wird die Lernfabrik zudem Kompetenzschulungen für die Mitarbeiter der Kunden beinhalten. Zu den behandelten Themen gehören unter anderem: Inwiefern unterscheidet sich das Management eines qualitätskontrollierten Reinigungsprozesses von dem eines zeitkontrollierten Reinigungsprozesses?

 

Die Lernfabrik ist ein Zentrum für Tests, Beratung und Schulungen zu:

  • etablierten, wässrigen Verfahren, Ultraschall-, Spritz- und Tauchreinigung
  • Sonderverfahren CO2-Strahlen, Atmosphärendruckplasma, Trockendampf
  • innovativen Digitalisierungslösungen

Weitere Informationen finden Sie unter:
https://www.ivv.fraunhofer.de