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Produzieren trotz Corona mit digitaler Hilfe

GIESSEREI PRAXIS 2020/01-2
COVID-19
Druckguss
Energie, Umwelt, Betriebssicherheit

Wie Unternehmen schnell auf eine Lageänderung reagieren können: Die Initiative „Produzieren trotz Corona“ des Fraunhofer IPK unterstützt die fertigende Industrie dabei, sich schnell und effizient auf die veränderten Rahmenbedingungen in der Corona-Pandemie einzustellen.
Die Lage ist höchst volatil und zeigt ein Szenario, auf das sich keiner hatte vorbereiten können: Lieferketten werden gekappt und wieder geknüpft, Grenzen schließen und öffnen, der Luft- und Frachtverkehr ebbt ab, dazu kommen Hygienevorschriften und eine unsichere rechtliche Lage. Gar nicht so einfach, in so einer Situation, den Überblick zu bewahren, vor allem, wenn man gleichzeitig einen Betrieb am Laufen halten muss. Inmitten so eines Schleudergangs sind Strukturen, Strategien und Systematiken Gold wert. Soll das schlingerndeSchiff wieder Kurs aufnehmen, kann zum Beispiel das „interaktive Lagebild“ des Fraunhofer IPK hilfreich sein. Ein Lagebild benutzen auch Einsatzkräfte, beispielsweise in der Polizeiarbeit, um sich schnellstmöglich ein umfassendes Bild der Lage zu verschaffen.

Unternehmen, die Unterstützung benötigen, können sich an die Initiative „Produzieren trotz Corona“ wenden, die das Fraunhofer IPK anbietet. Institutsleiter Prof. Eckart Uhlmann sagt: „Unsere Kompetenzen etwa in den Bereichen Wissensmanagement, Flexibilisierung von Prozessen und schnelle Einführung neuer Fertigungsoptionen haben großes Potenzial, den Betrieben zu helfen und Insolvenzen zu vermeiden.“

Inspiration vom Katastrophenschutz
Die Wissenschaftler ziehen ein „interaktives Lagebild“ heran: Dabei werden externe Informationen zum Umfeld mit internen Fähigkeiten verknüpft, um schnell und zielorientiert Handlungsalternativen zu entwickeln und umzusetzen. So kann zum Beispiel bewertet werden, ob neue Distributionswege zur Sicherstellung der mittelfristigen Liquidität beitragen, wenn Landesgrenzen geschlossen werden. Auch für den plötzlichen Ausfall einer größeren Zahl von Zulieferern und Kunden oder eine kurzfristige Änderung von Regularien, etwa aus Hygienegründen, können schnell Lösungen gefunden werden. Ausschlaggebendist, relevante Informationen zu beschaffen und auszuwerten. Das Fraunhofer IPK hat sich für die Initiative „Produzieren trotz Corona“ also von der Arbeit des Katastrophenschutzes und von Sicherheitskräften inspirieren lassen.

Das Lagebild kann innerhalb von drei Tagen eingerichtet werden. Es können regulatorische Rahmendaten wie Vorordnungen oder Vorschriften eingespeist werden, sowie der Status von Lieferketten und Kunden und eine Übersicht über die interne Leistungsfähigkeit und das Prozessnetz des Unternehmens. Daraus können dann Handlungsalternativen abgeleitete werden.

Welche Prozesse sind kritisch?
Die Geschäftsfähigkeit eines Unternehmens ergibt sich aus der Durchführbarkeit der Unternehmensprozesse. Bei einem so genannten disruptiven Ereignis wie die aktuelle Pandemie, muss also schnell klar sein, welche Unternehmensprozesse kritischen Einflüssen unterliegen und wie sie mit dem Liefergefüge zusammenhängen. Erst dann sind Unternehmen in der Lage, Alternativen aufzustellen und zu bewerten, um am Ende dieses Prozesses gezielte Maßnahmen abzuleiten und deren Umsetzung und Wirksamkeit zu überwachen.

Manche Produkte können beispielsweise gar nicht produziert werden, die Nachfrage sinkt oder es steigt die Nachfrage nach Produkten, die eine Gießerei bislang nicht hergestellt hat, die aber mit Prozessanpassungen produziert werden könnten. So kann das Portfolio erweitert und die Produktion auf eine breitere Basis gestellt werden.

Eine wichtige Grundlage des Systems ist die ebenfalls im Institut entwickelte Prozessmanagement-Suite. Dabei handelt es sich um ein etabliertes Toolset, mit dem sich Unternehmensprozesse erfassen,modellieren und übersichtlich darstellen lassen.

 

 

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