Sachsen: Moderne Lehrgießerei eröffnet – Investition in die Zukunft

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Eine neue Lehrgießerei wurde zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres 2020 im Beruflichen Schulzentrum „Otto Lilienthal“ in Freital (Sachsen) eröffnet. Hier soll eine moderne Ausbildung zum Gießereimechaniker oder zur Gießereimechanikerin erfolgen.

Das berufliche Schulzentrum hat mit der Investition in eine Lehrgießerei für die Ausbildung zum Gießereimechaniker/Gießereimechanikerin mit den Schwerpunkten Handform- und Maschinenformguss, Druck- und Kokillenguss, Feinguss sowie Schmelzen, Maßstäbe für eine moderne Ausbildung zukünftiger Fachkräfte für Gießereien gesetzt. Durch den Landrat des Landkreises Sächsischen Schweiz-Osterzgebirge, Herrn Michael Geisler erfolgte die feierliche Einweihung am 01. Oktober 2020. 

Die ganzen Sommerferien über haben Planer, Bau- und Lieferfirmen das in die Jahre gekommene Gießereifachkabinett saniert und umgebaut. „Die Maßnahme war dringend notwendig, um die technischen Voraussetzungen hier im Freitaler Berufsschulzentrum auf den neuesten Stand zu bringen, so wie es das Anforderungsprofil der IHK mit dem neuen Rahmenlehrplan fordert. Damit wollen wir auch in Zukunft die Ausbildung in dieser Branche in unserer Region sichern“, begründet Landrat Michael Geisler die zukunftsweisende Investition und bedankt sich auch bei den Planern, Bau- und Lieferfirmen: „Sie haben in kurzer Zeit den Umbau des Fachkabinettes realisiert und Großartiges entstehen lassen.“ 

Rund 185.000 Euro sind in Umbau und Ausstattung des Ausbildungskabinettes geflossen, finanziert aus Eigenmitteln des Landkreises als Schulträger. Bereits seit 1994 bildet das Berufsschulzentrum in Freital Gießereifacharbeiter aus. Zurzeit absolvieren 48 Auszubildende in vier Klassen hier ihre Ausbildung. Auch dieses Jahr wurde der Landesfachklassenstandort Freital wieder bestätigt.

Die Auszubildenden des 3. Lehrjahres zeigten im Rahmen der festlichen Einweihungsfeier ihre Kenntnisse und führten stolz die neue Technik praktisch vor. 

Anstoß für die Investition gab die Neuordnung über die Berufsausbildung zum Gießereimechaniker und zur Gießereimechanikerin (BGBl. I S. 1134 vom 9. Juli 2015). Im Rahmen der dualen Berufsausbildung ist die Berufsschule dabei in hohem Maße dafür verantwortlich, die Anforderungen einer qualifizierten und qualifizierenden Berufsausbildung zu gewährleisten [1]. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der handlungs- und prozessorientierten Ausbildung. Ziel ist es, mit der Ausbildung von Handlungskompetenz, die Fähigkeiten der zukünftigen Facharbeiterinnen und Facharbeiter zum selbständigen Planen, Durchführen von Aufträgen und deren Kontrolle und Bewertung zur Sicherung der Qualität, zu schulen. In der prozessorientierten Ausbildung stehen dann die gesamten Arbeitsprozesse der Gießerei im Fokus. Die dabei zu trainierenden Fähigkeiten sind auf dem aktuellen Stand aktueller Technik zu vermitteln.
Nach drei Ausbildungshalbjahren wird im Bereich Giessereitechnik mittels des ersten Teils der Abschlussprüfung festgestellt, ob die Prüflinge zur Durchführung folgender Tätigkeiten in der Lage sind [1]:

  • Technische Unterlagen auszuwerten, technische Parameter zu bestimmen, Arbeitsabläufe zu planen und Material und Werkzeug auszuwählen,
  • Bauteile durch manuelle und maschinelle Bearbeitung sowie durch ein gießtechnisches Verfahren herzustellen und Steuerungstechnik anzuwenden,
  • Unfallverhütungsvorschriften anzuwenden und Umweltschutzbestimmungen zu beachten und die Sicherheit von Betriebsmitteln zu beurteilen,
  • Prüfverfahren und Prüfmittel auszuwählen und anzuwenden, die Einsatzfähigkeit von Prüfmitteln festzustellen und die Ergebnisse zu dokumentieren und zu bewerten sowie 
  • die Auftragsdurchführungen zu dokumentieren und zu erläutern.

Die drei dabei selbständig durchzuführenden Prüfungstätigkeiten sind:

  • Herstellen eines Gussstückes mittels eines Handmodells
  • Anfertigen einer mechanischen Baugruppe und
  • Errichtung und Funktionskontrolle einer pneumatischen Steuerung.

Für die Gewährleistung der Ausbildung nach diesem Anforderungsprofil wurden die Voraussetzungen im Berufsschulzentrum „Otto Lilienthal“ Freital auf den technisch aktuellen Stand gebracht. Es wurde eine modernen Lehrgießerei ausgestattet. Die Vermittlung der Grundkenntnisse zur Gussstückherstellung erfordert den Einsatz moderner Ausrüstungen, wie auch für den erfolgreichen Abguss der hergestellten Formen eine angemessene Schmelzmenge verfügbar sein muss.

Kernaggregat des modernisierten Ausbildungskabinetts ist ein elektrisch beheizter Kipptiegelofen für das Schmelzen von Aluminium- und Kupferlegierungen mit einer Chargengröße von ca. 45 kg Aluminium.
Die technische Ausstattung der Lehrgießerei wurde neben dem Schmelzofen mit folgenden Ausrüstungen ergänzt, sodass die praktischen Tätigkeitsfelder im Gießereibetreib intensiv trainiert werden können: 

  • Formstoffmischer für bentonitgebundenen Formstoff mit 75l Fassungsvermögen und 
  • zugehöriger Beschickungstechnik
  • Pfannenvorwärmung und Schmelzbehandlungsstation
  • Gießpfannen unterschiedlicher Größe sowie diverse Spezialwerkzeuge
  • Laborgeräte zur Formstoffprüfung

www.bsz-freital-dippoldiswalde.de

Literatur
[1] Leitfaden für die Abschlussprüfung Teil1, IHK PAL Prüfungsaufgaben- und Lehrmittelentwicklungsstelle Stuttgart 2016