So ist die Lage für Gießereien in Polen

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Momentan versuchen insbesondere mittelständische Gießereien weiter zu produzieren. Einigen gelingt dies, andere sind auf staatliche Unterstützung angewiesen. Ein Schlaglicht auf die Region Südost-Polen zeigt, wie das Nachbarland mit Covid-19 umgeht.

Notwendige Vorkehrungen zur Verhinderung der Ausbreitung des Coronavirus sind dabei an der Tagesordnung: Schutzmasken für allen Mitarbeiter, Arbeitnehmer über 60 Jahre sind freigestellt, Homeoffice der Angestellten und es gilt flexible Arbeitszeit (die derzeitige Forderung lautet: ein Abstand von mindestens 1,5 m), was auch insbesondere beim Duschen und in den Garderoben dafür sorgt, das jeweils nur eine ganz geringe Anzahl von Menschen diese betritt.
Da weniger Menschen die Arbeit verrichten, wird in einigen Fällen Wochenendarbeit durchgeführt oder drei Schichten statt zwei Schichten gearbeitet. Eltern von Kindern unter acht Jahren bekommen Pflegegeld. Ebenso sind viele Ukrainer in ihre Heimat zurückgekehrt - 2019 haben noch fast 1.000.000 Ukrainer in Polen gearbeitet. 

Wie werden die Perspektiven gesehen: In Polen gibt es fast keine Firma, die komplette Produkte herstellt; es handelt sich vorwiegend um Zulieferfirmen. Die Gießereien produzieren 60 – 90 % direkt für das Ausland oder indirekt für polnische Bearbeitungsfirmen, welche die Vormontage der Komponenten übernehmen.

Dazu ein Schlaglicht auf die Region Südost-Polen mit unterschiedlichen wirtschaftlichen Bedingungen:

  • Ein Zulieferbetrieb für Gießereien zur Herstellung von Masseln, Formlingen und Knüppeln durch Strangguss aus Kupfer- und Nichteisenmetalllegierungen mit mehr als 100 Beschäftigten konnte zusätzliche Aufträge aus dem europäischen Markt, insbesondere aus Italien erhalten, um dortige Lieferengpässe infolge von Betriebsstillständen einzuschränken.
  • Eine große Feingießerei mit weltweiter Organisation, die vor allem Gussteile für Flugzeugindustrie fertigt, produziert auf einem hohen Niveau und hofft auf eine weitere, stabile Produktionsauslastung. Nach der Konzernübernahme 2016 wurde die Gießerei in den Jahren 2018 und 2019 modernisiert und die Mitarbeiterzahl von ursprünglich 150 (2016) stark gesteigert. Eine Vielzahl neuer Teile wurde mit neuen Mitarbeitern gefertigt. Die gestiegene Erfahrung der Mitarbeiter macht sich jetzt bemerkbar und Auftragsrückstände können abgebaut werden.
  • Eine familiengeführte Magnesiumgießerei (ca. 40 Mitarbeiter) produziert bis heute mit normaler Auslastung.
  • Die mittelgroße Gießerei KAWMET Orły, eine Familienunternehmen, stellt vor allem Gusseisenteile aus GJS und GJL her.  Zwei neue Dismatic-Anlagen und ältere horizontale Formlinien sowie die Handformerei sind im Einsatz. Es werden auch Stahlgusseile, Plastiken und Glocken usw. aus Kupferlegierungen hergestellt. Die Aufträge laufen zurzeit stabil, obwohl beispielsweise ein Kunde aus Spanien die Lieferungen gestoppt hat. Neue Aufträge aus Deutschland sind eingegangen.

Diese Firmen benötigen derzeit keine Unterstützung, sodass ein Hilfspacket auch nicht vorgesehen ist.

Im Gegensatz dazu gibt es auch Gießereien, die die Auswirkungen der Auftragsreduzierung spürbar treffen:

  • Eine mittelgroße Gießerei für Gusseisen mit mehr als 200 Beschäftigten spürt einen Umsatzrückgang mit Kunden aus Norditalien in diesem Jahr um fast 50 %. Die Gießerei steht ab dem 1. April bis voraussichtlich 14. April. Hier ist eine Unterstützung von der Regierung mit 40 % Lohnzuschuss für die Mitarbeiter angekündigt. Aktuell hat diese Gießerei neue Aufträge von deutschen Kunden bekommen. Zusätzlich haben italienische Kunden zugesichert, dass ab Ende April 2020 mit einem neuen Auftragseingang zu rechnen ist. Das bedeutet, dass Aufträge für Mai in der Höhe 85 % des normalen Niveaus wieder erreicht werden können. Die Gießerei sollte so nach Ostern wieder normal arbeiten können.

Notiert von Tadeusz Godlewski, Rzeszów, Polen 03.04. 2020