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Wie die 3D-Druck-Branche auf die Pandemie reagiert

GIESSEREI PRAXIS 2020/01-2
Additive Manufacturing
Druckguss

Blick über den Tellerrand: Wie hat die 3D-Druck-Branche auf die Pandemie reagiert und welche Potenziale gibt es für Gießereien? Ein Ausblick und Inspirationsangebot
Die 3D-Druck-Industrie hat rasch auf die Corona-Pandemie reagiert und ihre Chancen genutzt. Schnelle Reaktionen waren gefragt und viele Akteure der Branche reagierten prompt und hatten tolle Ideen.

Beispielsweise hat additiv gefertigte Ventile, mit denen man aus einer Schnorchelmaske eines Sportartikel-Discounters eine Beatmungsmaske machen kann. Weltweit stellten schlaue Köpfe Anleitungen zum Druck von Atemschutzmasken, Gesichtsschildern und unzähligen Pandemie- Tools kostenlos zum Download im Netz zur Verfügung. Was die Branche der additiven Fertigung so agil macht: Sie vernetzen sich. Druckdateien werden online zur Verfügung gestellt und überall, wo ein geeigneter Drucker steht und das benötigte Druckmaterial vorhanden ist, kann produziert werden.

Unternehmen, Verbände und Vereinigungen haben sich zusammengetan, um gemeinsam noch schneller reagieren zu können. Auf einen Aufruf der EU-Kommission, bei der Produktion von Schutzausrüstungen und Beatmungsgeräten behilflich zu sein, haben sich mehr als 250 Unternehmen gemeldet. Unter anderem die Initiative „Mobility goes Additive“ (MGA) und auch der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) bündeln und vernetzen die Akteure und leiten Vorschläge an die Kommission weiter. Über MGA sind außerdem Spezifikationen und Richtlinien für Masken und Ventile zu finden. MGA, der 3D-Druck-Verband und „Bayern Innovativ“ haben außerdem Netzwerke aufgebaut, um den Bedarf von Krankenhäusern und Medizintechnik mit Angeboten aus der 3D-Druck-Branche zusammen zu bringen. „Maker vs. Virus“ bringen Menschen und Organisationen, die aufgrund der Pandemie Ausrüstung oder Ersatzteile benötigen, mit Menschen zusammen, die diese kostenlos oder zum Selbstkostenpreis anbieten.

 

Der „Covid-19 Manufacturing Fund“ von 3D Hubs sammelt und stellt finanzielle Mittel und Produktionskapazitäten für Produkte zur Verfügung, die dringend zur Bekämpfung von Covid-19 gebraucht werden.

Siemens betreibt ein „AM Network“, welches das Unternehmen angesichts der angespannten Lage für Krankenhäuser und medizinische Einrichtungen öffnet. Die Mitglieder des Netzwerks unterstützen sie bei Design und Druck medizinischer Teile.

Hilfsbereitschaft und jeder, der etwas auf sich hält, beteiligt sich daran, Krankenhäuser, medizinische Einrichtungen oder Pflegeheime bei der Bekämpfung der ansteckenden Lungenkrankheit zu unterstützen. Der Vorteil, den diese Branche dabei hat, ist ihr hoher Grad an Digitalisierung.

Schlaue Köpfe erfinden Türöffner mit denen sich Klinken betätigen lassen ohne Tummelplätze von Viren und Bakterien zu sein. Oder Armbänder für Desinfektionsmittel. Alles frei im Netz zugänglich und additiv herstellbar

Manch einer mag sich fragen: Was haben sie davon, wenn sie diese Leistungen kostenlos anbieten? Sie bringen ihre Marken ins Gespräch und bauen ein gutes Image auf. Die 3D-Druck-Industrie will sich Märkte erobern und hat Pandemie und Lockdown dazu nutzen können, sich im Bewusstsein der Gesellschaft fester einzugraben. Das wird ihr auch in Zukunft Aufwind verschaffen.

Und was bedeutet das für die Gießerei- Industrie? Viele Gießereien haben mittlerweile selbst 3D-Drucker oder kooperieren mit Anbietern für Additive Fertigung. Das verschafft ihnen nicht nur die Möglichkeit, den Produktionsprozess beispielsweise bei der Herstellung von Prototypen und Gussformen zu beschleunigen, sondern bietet auch Potenzial für neue Geschäftsfelder, aus denen sich womöglich ein gesundes zweites Standbein entwickeln könnte.

Auch die starke Vernetzung der 3D-Druckbranche in dieser Krise kann eine Inspiration sein. Warum gegeneinander arbeiten, wenn man gemeinsam stärker, schneller und flexibler sein kann? Mitunter lassen sich Synergien mit Branchenpartnern finden, sei es innerhalb der Gießerei-Industrie oder mit anderen Dienstleistern, um sich für die Kunden attraktiver zu machen und sowohl schneller also auch flexibler auf deren steigende Ansprüche zu reagieren.