Zum 50. Todestag von Eduard Maurer − ein bedeutender Metallurge in der Stahlindustrie

GIESSEREI PRAXIS 03/2020
Im Jahre 1922 konnte Eduard Maurer im Krupp-Konzern unter ausgezeichneten Versuchsbedingungen sein bekanntes „Maurersches Gußeisendiagramm“ aufstellen. Es konnte danach Gusseisen erzeugt werden, dessen Festigkeit an die des Stahls heranreichte.

Eduard Maurer wurde am 3. November 1886 in Königstein im Taunus geboren. Er besuchte in Luxemburg die Primärschule und anschließend die Industrie schule Athenäums. Durch nahegelegene Hüttenwerke wollte er nach dem Abitur ein Hüttenmann werden.
Ein Metallurgie-Studium war aus finanziellen Gründen nicht möglich. Deshalb entschied er sich für ein kürzeres Chemiestudium an der Technischen Hochschule Braunschweig. Ab Sommersemester 1903 belegte er Vorlesungen an der Universität Karlsruhe in physikalischer Chemie und Elektrochemie. 1907 schloss er mit der Diplomprüfung ab. Anschließend ging er an die Sorbonne nach Frankreich. Die Ergebnisse seiner Forschung fasste er in seiner Dissertationsschrift „Untersuchungen über das Härten und Anlassen von Eisen und Stahl“ zusammen und promovierte an der Technischen Hochschule Aachen.

Grundtyp des austenischen nichtrostenden Stahls

1913 nahm Maurer bei der Friedrich Krupp AG in Essen in der dortigen Versuchsanstalt seine Tätigkeit auf. Hier entwickelte er den Grundtyp des austenischen nichtrostenden Stahls mit 18 % Chrom und 8 % Nickel, der in verschiedenen Industriezweigen eine große Bedeutung erlangte.
1919 ging Maurer an das Kaiser-Wilhelm-Institut in Düsseldorf, dem späteren Max-Planck-Institut für Eisenforschung. 1922 zurückkommend zum Krupp-Konzern konnte Maurer unter ausgezeichneten Versuchsbedingungen sein bekanntes „Maurersches Gußeisendiagramm“ aufstellen, dass es ihm ermöglichte Gusseisen zu erzeugen, dessen Festigkeit an die des Stahls heranreichte.
1925 folgte Maurer einem Ruf an die Bergakademie Freiberg für den Lehrstuhl Eisen hüttenkunde. Gemeinsam mit dem Verein Deutscher Eisenhüttenleute und dem Freistaat Sachsen wurde das neue Eisenhütteninstitut errichtet. In seinen Forschungen untersuchte er das Schrott-Kohle-Verfahren im Siemens-Martin-Ofen, um Qualitätsstahl zu erzeugen.

Forschungsprofessur in der Schwarzmetallurgie

Nach 1945 nahm Maurer eine Forschungsprofessur beim Büro des Ministeriums für Schwarzmetallurgie der UDSSR in Freiberg, 1950 die Leitung des Forschungsinstituts Hennigsdorf und 1951 den Lehrstuhl für Eisenhüttenkunde an der Humboldt-Universität in Berlin an. Er unterstützte 1948 die Thomas-Stahlerzeugung in der Maxhütte Unterwellenborn, 1950 den Wiederaufbau des Gröditzer Stahlwerks zur Großschmiede, 1954/55 die Behebung von Qualitätsschwierigkeiten von Hochbaustahl des Typs St 52 bei den Grobblechwalzwerken in Ilsenburg und Kirchmöser.
Mehr als 100 Publikationen befassen sich mit den für die Stahlerzeugung bedeutenden physikalisch-chemischen Reaktionen von Mangan, Schwefel und Phosphor sowie einer umfassenden Darstellung über das Härten und Anlassen von Stahl.
1951 wurde Eduard Maurer als ordentliches Mitglied in die Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin und 1956 als Ehrenmitglied der Gesellschaft Deutscher Berg- und Hüttenleute aufgenommen.
1950 und 1954 erhielt Eduard Maurer den Nationalpreis der DDR.
Er wurde als hervorragender Wissenschaftler des Volkes ausgezeichnet. Die Technischen Hochschulen Aachen und die Humboldt-Universität verliehen ihm die Ehrendoktorwürde. Am 21. Februar 1969 ist Eduard Maurer in Warnemünde verstorben.